Montag, 16. Mai 2016

. weil es lebt


und manchmal, wenn ich mit dem leben allein bin, bricht es aus mir heraus und schreit in mein gesicht.
schreit mir die müdigkeit aus den gliedern.
die einsamkeit aus dem herzen.
die wut aus meinem magen.
schreit mir die angst aus dem kopf.

und flüstert mir dann,
hoffnung ins ohr.
schüttet mir träume in die augen.
legt eine melodie in meinen mund.
und neue worte auf meine lippen.

und dann, lächelt es mich wissend an.

weil es weiß, was ich vergesse.
weil es mich kennt, wenn ich mir fremd bin.
weil es mich sieht, wenn ich mich aus den augen verloren habe.

weil es auch dann noch schreien kann, wenn mir die stimme versagt.
ich sprachlos bin.

weil das leben lebt.
weil es in seinem wesen liegt.
zu leben.





und es lebt.
sowieso.
egal, ob ich dabei bin.
oder nicht.

es wartet nicht auf mich.
es hält nicht an.
es dreht sich nicht um.
und es läuft auch nicht zurück.

vorwärts.
immer weiter.
und weiter.
und.

weiter.

das wohin ist egal.
das warum nicht immer zu verstehen.
aber das wie.
liegt ganz allein bei mir.
in meiner hand.
meinem kopf.
meinem herz.

ich kann es ziehen lassen.
an mir vorrüber.
oder ich kann es an die hand nehmen.
und mich von ihm mitreißen lassen.

euphorisch.
wild.
vollkommen unvollkommen.
roh.
und ungeschliffen.

da sind keine runden.
nur ecken.
und kanten.

an denen man sich stößt.
und blaue flecken bekommt.
und wunden.
die narben hinterlassen.
und mit ihnen erinnerungen.
durch die man spürt.
und fühlt.
und nicht vergisst.


das echte.
das ehrliche.
das unbeugsame.
das nicht zähmbare.
und das unvorhersehbare.

leben.

zu leben.





das alles erzählt es mir.
das leben.
und dann, wenn es wieder leise in mich hineingekrochen ist, 
hallen all diese worte nach.
in mir.
und um mich herum.
sie schlagen wurzeln.
tief.
und flüstern.
und raunen.

und wachsen.
über sich hinaus.

und ich.
über mich.





kraniche | bosse